Sprachideologien und Spracheinstellungen in superdiversen Städten: Lehramtsstudierende in Jakarta und Berlin im Vergleich
Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Friedrich-Ebert-Stiftung
Das Dissertationsprojekt untersucht Sprachideologien und Spracheinstellungen in superdiversen urbanen Kontexten und verwendet Jakarta und Berlin als vergleichende Fallstudien.
Die Arbeit untersucht Spracheinstellungen und Sprachideologien in superdiversen urbanen Kontexten anhand vergleichender Fallstudien zu Jakarta und Berlin. Im Fokus stehen Bachelorstudierende in Lehramtsstudiengängen, die sich jeweils auf die Amtssprache ihres Landes spezialisieren – Indonesisch in Jakarta und Deutsch in Berlin. Die Lehramtsstudierenden werden als Befragte ausgewählt, da sie als zukünftige Lehrkräfte nicht nur sprachliche Kompetenzen vermitteln, sondern auch Sprachideologien reproduzieren und weitergeben, was im Sinne von Blommaert (1999) als „ideology brokers“ bezeichnet wird.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Rolle der Nationalsprache (Indonesisch in Jakarta und Deutsch in Berlin), der globalen Sprache (Englisch), der Einwanderungssprache (Chinesisch in Jakarta und Türkisch in Berlin), der historischen Sprache (Niederländisch in Jakarta und Russisch in Berlin) sowie regionaler Varietäten in beiden Städten. Jakarta und Berlin gelten als superdiverse Metropolen, die infolge von Migration und Globalisierung durch ein hohes Maß an sprachlicher, ethnischer, kultureller und religiöser Vielfalt geprägt sind.
Ziel der Studie ist es, die Sprachideologien und Spracheinstellungen von Lehramtsstudierenden in Jakarta und Berlin zu analysieren und vergleichend gegenüberzustellen. Zur Untersuchung der Sprachideologien wird zudem die Sprachpolitik in beiden Städten einbezogen. Dabei wird auf das Modell von Spolsky (2012) zurückgegriffen, das die Ebenen der Status-, Erwerbs- und Korpusplanung umfasst. Die Untersuchung der Spracheinstellungen basiert auf dem Framework der Language Attitudes Scale–Student Form (LASS) von Li/Wei (2022), das kognitive, affektive und verhaltensbezogene Dimensionen von Spracheinstellungen erfasst.
Die Studie leistet einen Beitrag zum Verständnis sprachlicher Vielfalt und sprachideologischer Prozesse in urbanen mehrsprachigen Räumen. Zugleich zeigt sie auf, wie die Spracheinstellungen zukünftiger Lehrkräfte die Dynamiken von Mehrsprachigkeit und sprachlicher Diversität im Bildungssystem superdiverser Städte wie Jakarta und Berlin widerspiegeln und aktiv mitprägen.
Literaturverzeichnis:
Blommaert, Jan (1999): The Debate is Closed. In: Blommaert, Jan (Ed.): Language Ideological Debates. Berlin: de Gruyter Mouton, 425-438.
Spolsky, Bernard (2012): The Cambridge Handbook of Language Policy. Cambridge: Cambridge University Press.
Li, Chengchen/Wei, Li (2022): Language attitudes: construct, measurement, and associations with language achievements. In: Journal of Multilingual and Multicultural Development, 1-26.