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DLL | Genus-insensitives ‚sein‘ im Deutschen: Norm, Variation, Geschichte, Sprachkontakt

19.05.2026 | 16:00 c.t. - 18:00
DLL Jürg Fleischer

DLL Jürg Fleischer

Jürg Fleischer (Humboldt-Universität zu Berlin)

In der Grammatikschreibung, aber auch in der feuilletonistischen Sprachkritik wird öfter darauf hingewiesen, dass das im Prinzip auf maskuline und neutrale Possessoren beschränkte sein auch bei femininen Possessoren beobachtet werden kann (vgl. Duden-Grammatik 2022: 742). Immer wieder angeführt wird etwa das auch in einer Kolumne von Bastian Sick erscheinende Beispiel Qualität hat seinen Preis (vgl. Meinunger 2014: 132–136). Im Vortrag soll das Auftreten dieses „genus-insensitiven sein“ im Deutschen genauer beleuchtet werden, wobei neben der Standardsprache auch moderne Dialekte und ältere Sprachstufen in den Blick genommen werden.
Während im modernen schriftlichen standardnahen Deutsch, wie es etwa im Deutschen Referenzkorpus DeReKo repräsentiert ist, entsprechende Beispiele selten und durch eine spezifische semantische Restriktion – Auftreten fast ausschließlich bei unbelebten Possessoren – gekennzeichnet sind (vgl. Fleischer 2022), finden sich in älteren Sprachstufen und Dialekten auch Beispiele mit belebtem Possessor, etwa da Heidi sei Auto ‘Heidis Auto’ (wtl. ‘der Heidi sein Auto’; Bairisch, Beispiel aus Simon 2008: 66). Entsprechende Belege finden sich insbesondere auch gehäuft in Kontaktvarietäten des Deutschen, wie unter anderem anhand von Ergebnissen aus eigener Feldforschung in Wilamowice/Wilmesau, einer seit dem Spätmittelalter in polnischsprachiger Umgebung bestehenden ostmitteldeutschen Sprachinsel, aufgezeigt wird. Im Vortrag sollen die Entstehung sowie die grammatischen Eigenschaften des „genusinsensitiven sein“ und die Konsequenzen für eine Analyse eingehend diskutiert werden.

Zeit & Ort

19.05.2026 | 16:00 c.t. - 18:00

L115 Seminarzentrum
(Otto-von-Simson-Straße 26 / Mensa)